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Sowjetische Kriegsgefangene in Deutschland und ihre Rückkehr
Ein Buch von Dmitri Stratievski im OEZB-Verlag Berlin
Rezension von Gert Stricker in der Zeitschrift G2W, Nr. 6/2009
www.kirchen.ch/g2w
ISBN 978-3-940452-51-1, 2008, 290 Seiten, 29,90 €
In dieser Studie geht es dem ukrainischen Autor (*1974) darum, das wahrhaft tragische Schicksal sowjetischer Soldaten, die 1941/45 in deutsche Kriegsgefangenschaft geraten waren, zu erhellen. In der UdSSR waren sie fast 50 Jahre lang verfemt: Nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion (22.06.1941) hatte Stalin den berüchtigten Erlass Nr. 270 vom 16. August 1941 dekretiert, wonach jeder gefangengenommene Sowjetsoldat zum "Vaterlandsverräter" gestempelt wurde, der Bestrafung verdiene. Dieses Verdikt verhinderte in der UdSSR über Jahrzehnte eine systematische Aufarbeitung des Themas. Die Zahl der Sowjetsoldaten, die in deutsche Kriegsgefangenschaft geraten waren, lag bei insgesamt ca. 4,5 Mio. – davon sind jedoch 50-60% in deutschen Gefangenschaft umgekommen – an Erschöpfung, an Typhus, verhungert, erschossen.
Diese Studie basiert zum einen auf einer systematischen Sichtung der einschlägigen sowjetischen und post sowjetischen Literatur, zum anderen auf der Auswertung Tausender Interviews mit einstigen Kriegsgefangenen, die der Autor selbst und am Thema interessierte Organisationen nach 1991 durchgeführt haben.
Der einleitende Teil bietet einen Gesamtüberblick und vermittelt die wichtigsten Informationen: Statistisches Material über die Verteilung der Gefangenen auf Hunderte von lagern, über die Lagerorganisation, die diversen Arbeitsbereiche, die katastrophalen Arbeits- und Existenzbedingungen, die systematische Unterernährung, Epidemien und Massensterben, über Kollaboration und Fluchtversuche.
Der zweite Teil besteht im wesentlichen aus Selbstzeugnisse einstiger Kriegsgefangener: von der Vorkriegszeit über die eigentliche Gefangenschaft bis in die Nachkriegszeit, als kriegsgefangene "Verräter" in der UdSSR über Jahrzehnte unter Rechtlosigkeit und Zurücksetzung zu leiden hatten. Hauptthemen der Selbstzeugnisse sind die Gefangennahme, der traumatisierende Überlebenskampf gegen Hunger und Krankheit in den Lagern, die Bestrafung(oftmals: Erschießen), die Unmenschlichkeit, schließlich die "Befreiung". Da die Lebenszeugnisse nur in einer Art Rohübersetzung aus dem Russischen vorzuliegen scheinen, sind sie leider z.T. kaum verständlich.
Es ist das große Verdienst dieses Buches, eine - beklemmende - Vorstellung von diesem bisher ignorierten dunklen Kapitel des Zweiten Weltkrieges zu vermitteln.
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